Studium und Kind

Urlaubssemester oder kein Urlaubssemester

Momentan überlege ich ob ich es wagen soll oder nicht. Als Lotte 2015 geboren wurde, befand ich mich mittig im dritten Semester. In meinem Eifer das Studium in der Regelzeit durchzuziehen habe ich natürlich kein Urlaubssemester gemacht, sondern wollte nach Weihnachten (was ca zwei Wochen Pause entsprochen hatte und zusätzlich noch die Weihnachtsferien) wieder Vollzeit einsteigen – das Kind wollte ich natürlich mitnehmen.
Tja, wie schon mehrfach erwähnt, hat das eher so mittelgut geklappt. Indem ich meine Anwesenheit auf 1-2 Veranstaltungen in der Woche heruntergeschraubt hatte, hat es einigermaßen funktioniert, von supergut waren wir meilenweit entfernt, es hätte auch schlimmer sein können und alles in allem habe ich es ganz okay hinbekommen. Jetzt bin ich halt schon im siebten Semester und mit den Prüfungen noch immer nicht ganz durch (und bevor ich im Februar den Drittversuch nicht bestanden habe, schreibe ich auch gar nichts mehr). Sollte ich diesen Drittversuch bestehen, was ich sehr hoffe, dann werden mir noch eine Klausur, eine Hausarbeit, einPraktikumsbericht und die Bachelorarbeit bevorstehen, zusammen mit zwei Seminaren, die ich dann noch machen muss. Die Bachelorarbeit werde ich vermutlich während des ersten Mastersemesters schreiben, der Rest… tja. Dass ich ein achtes Semester dranhängen muss, daran geht kein Weg vorbei (auch wenn man dieses hier für verschwendet halten mag). Mein Problem liegt im Mai.
Der Mai liegt ähnlich wunderschön mittig im Semester wie der Dezember, weshalb ich 2018 vor dem selben Problem stehe wie schon 2015: Wohin mit dem Baby?

Meine Kommilitonen würden an dieser Stelle mit dem Kopf schütteln, aber ja: auch wenn es nie geplant war, finde ich das Studium zum Kinderkriegen so gut, dass ich während meinem Bachelorstudium noch ein zweites Kind bekommen werde, der Termin ist Mitte Mai. Da Lotte frühestens im Dezember einen Kindergartenplatz bekommen kann, stehe ich vor einem kleinen Problem: Urlaubssemester, ja oder nein? Und wenn ja, wie viele?

Das Problem, das ich sehe, liegt bei den Prüfungen. Ich darf an meiner Uni im Urlaubssemester keine Prüfungen ablegen. Klar, ich werde in der Zeit schonmal den Praktikumsbericht machen und die Bachelorarbeit vorbereiten (so gut es möglich ist). Aber die beiden anderen Prüfungen schieben sich mindestens ein Semester nach hinten – je anchdem wie sie angeboten werden kann ich sie sogar gar nicht machen, sondern muss nochmal ein halbes Jahr verstreichen lassen. Wenn ich nur im Sommer ein Urlaubssemester nehme und beide Seminare im Winter angeboten werden, wie läuft das mit der Kindergarteneingewöhnung? Einfach hoffen, dass sie gut läuft und innerhalb von ein bis zwei Wochen abgeschlossen ist? Eine Klausur über ein Seminar schreiben, in dem ich nur die Hälfte der Zeit anwesend war? Zwei Urlaubssemester machen und den Sommer dann einfach abwarten, womit mir im Endeffekt nochmal zwei Jahre verloren gehen?
Ein wenig trauere ich darum, dass es heutzutage nicht mehr läuft wie bei meinem Kindergarteneintritt, Mitte der Neunziger: da haben die Eltern zwei Wochen vor dem dritten Geburtstag im Kindergarten angerufen, die Woche drauf durfte das Kind kommen, wurde morges um acht abgegeben und mittags um zwölf wieder mit allen anderen abgeholt – „Wenn sie zu viel weint, dann habt ihr ja die Nummer vom Opa! Ansonsten sehen wir uns heute Mittag.“ (Das waren die genauen Worte meiner Mutter damals).
Zu dieser Zeit musste man keine Veranstaltungen irgendwo um eine Eingewöhnung herum legen, weil es einfach keine Eingewöhnung gab. Das Kind gewöhnte sich schon selber ein. Kindergarten ist ein hartes Pflaster und wer das früh lernt, hat es später besser. Und jetzt? Mache ich das Semester voll und versuche die Veranstaltungen auf den Abend zu legen? Seminare erst ab 16 Uhr und notfalls mit dem Auto hinfahren?

Und dabei habe ich mein momentanes Hauptproblem noch nicht einmal erwähnt: Den Master kann ich nur im Wintersemester anfangen…

2 Kommentare zu „Urlaubssemester oder kein Urlaubssemester

  1. Hallo, ich habe deinen Blog eben gefunden! Ich rate eigentlich immer zu keinem urlaubssemester. Irgendwas geht immer und du bist einen Schritt weiter Richtung Abschluss! Und selbst, wenn du eine Prüfung nicht bestehst, machst du sie eben nach. Außerdem gibt es im urlaubssemester kein Bafög. Ich bin übrigens Mama von 3 Kindern und schreibe grad meine Masterarbeit. Den Bachelor habe ich ohne Kinder in regemstudienzeit gemacht und im ersten Mastersemester wurde ich schwanger. Von Prüfungen musste ich mich manchmal abmelden und auch eine schlechte Note gab es mal in einer Klausur ohne Vorbereitung aber nun ist es nach 11 statt 4 😀 Mastersemestern fast geschafft! Und ich würde es wieder so machen. (meine Kids sind 4,3 und 7 Monate)

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    1. Ich traue der Sache seit Lotte nicht mehr 🙂 da dachte ich auch irgendwas geht immer und im Endeffekt ging gar nichts. Ich weiß ziemlich genau dass ich mit Neugeborenem keine Literatur in der Bibliothek suchen werde und die fehlenden zwei Prüfungen mache ich dann lieber in Ruhe, wenn zumindest ein Kind aus dem Haus ist.
      Im Endeffekt wäre das Semester vermutlich, wie das dritte, verschenkt. Und da ich über die Regelstudienzeit hinaus Bafög beantragen muss, halte ich die Fachsemesterzahl lieber möglichst klein.
      Meine Hochachtung, dass es bei dir ohne Urlaubssemester geklappt hat 🙂

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