Rabeneltern

Anonyme Rabenmütter

Muttis Nähkästchen ruft zur Blogparade auf: Outing einer Anonymen Rabenmutter
Und da das als Studentin mit Kind ja voll mein Thema ist…

Ich weiß, dass ich vor gar nicht allzu langer Zeit erst darüber geschrieben habe, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass (und das nicht nur in dieser einen Situation) Studenten mit Kindern noch weniger richtig machen können als berufstätige Eltern. Dass liegt schonmal an diversen Lebensumständen, die berufstätige Eltern einfach nicht bewältigen müssen. Noc wahrscheinlicher liegt es daran, dass sie sich oft nicht vorstellen können, wie es ist, die Balance zwischen Familie und Vollzeitstudium zu finden, denn solche Kommentare kommen meist von Menschen, die nach ihrem vier- bis achtstündigen Arbeitstag Feierabend haben und sich zuhause nicht um ihren Job kümmern müssen – im Gegensatz zu anderen studierenden Eltern, bei denen die eigentliche Arbeit ebenfalls zuhause anfängt oder auch Berufstätigen, die im Homeoffice arbeiten oder zumindest zuhause Dinge vor- oder nachbereiten müssen.

Es sind meistens Hausfrauenmütter, Rentner, Vollzeitelternzeit-Eltern und nine-to-five-job Eltern, die mich mehr oder weniger deutlich als Rabenmutter bezeichen, denn…

Ich suche für Lotte aktiv eine Tagesmutter
Generell ist meine Tochter ein armes, fremdbetreutes Kind. Sie ist an mindestens zwei Tagen in der Woche bei ihrer Oma/Uroma. Manchmal öfter, je nachdem wie arbeitsaufwändig Klausuren und Hausarbeiten sind. Das bedeutet: Abseits der zwei Tage in der Woche, die ich an der Uni bin, passiert es, dass sie tageweise bei der Oma ist, obwohl Mutti zuhause ist und sich selber kümmern könnte. Theoretisch. Wenn Lotte nicht diese Abneigung gegen meinen Computer hätte.

Ich möchte nicht mein ganzes Sozialleben aufgeben
Dazu gehört auch, dass ich mich auch mal ohne Kind mit Menschen in meinem Alter treffe. Und ich nutze dafür sogar mal Babysitter. Im Alter von zwei Monaten habe ich Lotte zum Beispiel auch mal einen ganzen Abend bei meiner dreizehnjährigen Cousine gelassen um im Theater zu helfen. Und manchmal ist sie auch bei Oma, weil Mama mit einer Freundin Kaffee trinken geht.

Ich mag kleine tägliche Auszeiten
Und wenn ich mich dafür im Bad einsperren muss, damit ich ein paar Minuten sinnlos auf dem Handy herumdaddeln kann.

Ich finde Kleinkinder als Gesprächspartner langweilig bis schwierig
Deshalb bin ich meistens mit Lotte unterwegs. Bei der Familie, bei Freunden, in der Spielgruppe oder einfach nur im Supermarkt, wo wir jedes Regal ablaufen. Ich spiele total gerne mit ihr und lese ihr mit Begeisterung zum 500. Mal ihre momentane Lieblingsgeschichte von einem Hasenkind, das ein Geschwisterchen bekommt, vor. Aber richtige Unterhaltungen sind schwer zu führen und meistens sehr einseitig. Und auf die Dauer kriege ich dabei die Krise.

Ich finde den Gedanken ein paar Tage von meinem Kind getrennt zu sein ganz und gar nicht unerträglich
Ich habe dem Kerl nicht umsonst die Tatsache, dass er und Lotte theoretisch zu meinem zweieinhalbtätigen Seminar mitkommen könnten, ganz bewusst verschwiegen. Aber mal ehrlich: wenn man vor der Wahl steht ein dauerhaft unruhiges und schnell gelangweiltes Kind zu einem Seminar über das Leben im Jahr 1559 mitzunehmen oder zum ersten Mal seit zwei Jahren mal zwei Nächte wirklich durchzuschlafen – fällt die Wahl da schwer?

Lotte schaut fern
Und das jeden Mittwoch bis wir in die Spielgruppe gehen. Denn das ist der einzige Zeitpunkt in der Woche an dem ich mal machen kann, was ich mit meiner stabilen Internetverbindung zuhause machen muss, aber nicht unbedingt in die Nacht legen will, wenn ich selbst nicht mehr wirklich Nerven dafür habe, wie zum Beispiel Stundenpläne erstellen, Mails an Dozenten schreiben, Arbeitsergebnisse an Lern- und Arbeitsgruppen schicken, Termine für Treffen abstimmen, Literatur für Hausarbeiten suchen, etc – und den Computer kann ich nicht anschalten wenn Lotte da ist. Außer sie sitzt da und schaut wie hypnotisiert zu, wie das Kikaninchen über den Bildschirm hopst und Bilder schnipselt.

Ich habe nicht lange gestillt
Ich wollte es. Ehrlich. Ich bin auch wirklich neidisch auf eine gute Freundin, die ihren Sohn in Lottes Alter noch immer stillt. Aber Lotte wollte nicht. Denn leider waren meine Klausuren gerade so gefallen, dass sie nicht mehr im Mutterschutz lagen. Und da ich sie weder mitnehmen konnte noch die Klausuren schieben durfte, musste sie für ein paar Tage mit der Flasche vorlieb nehmen – und schwupps, war die Brust mit nur zehn Wochen uninteressant. Und ich hatte nicht die Kraft sie wieder an die Brust zu gewöhnen, sondern habe den Weg des geringsten Widerstandes gewählt, ihr die Flasche gelassen und mich vom Stillen verabschiedet.

Ich verbiete Dinge
Einige aus Prinzip. Andere weil ich das so entschieden habe. Und ich lasse mir auch nicht dazwischen reden. Und wenn ich den Großeltern zwanzig Mal sage, dass sie dem Kind nicht wöchentlich einen Zehnerpack Milchschnitten kaufen sollen und sie es trotzdem jedes mal tun, dann esse ich die Dinger halt auch mal alleine. Oder werfe sie weg.

 

Zu guter Letzt kommt noch meine Lieblingsbegründung, weshalb ich eine Zumutung für mein Kind bin:

Wieso bekommt man im Studium überhaupt ein Kind?
Studenten sind faul. Sie sind unzuverlässig. Sie machen, was sie wollen. Studentenparties sowieso. Und Auslandssemester. Ganz davon abgesehen hat man kein Einkommen. Was will man dem Kind schon bieten? Soll es von Sozialhilfe leben? Wie will ich ein Kind finanzieren, wenn ich nicht einmal meinen eigenen Unterhalt bestreiten kann und auf Unterhaltszahlungen von meinem Vater angewiesen bin? Wer garantiert mir, dass ich einen Job bekomme, mit Kind? Wenn ich jetzt nie einen Job bekomme, weil mich mit Kindern niemand einstellen will und die Kinder von Sozialhilfe leben müssen, bis sie volljährig sind? Es ist doch verantwortungslos Kinder in die Welt zu setzen, die man nicht aus eigener Kraft versorgen kann!
Meine Standardantwort darauf?

„Und wenn ich wegen der Kinder dann Lücken im Lebenslauf habe, habe ich halt Lücken im Lebenslauf. Entweder ich kriege direkt einen Job oder ich deklariere es als Erziehungszeit.“

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